München realisiert mit Memory Loops ein virtuelles Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Das Audiokunstwerk von Michaela Melián umfasst 300 deutsche und 175 englische Tonspuren, die zum Anhören und kostenlosen Download auf einer virtuellen Stadtkarte hinterlegt sind. Jede Tonspur ist eine Collage aus Stimme(n) und Musik, die thematisch einem Ort innerhalb der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“ zugeordnet ist.
Mit ihrem Konzept Memory Loops gewann Michaela Melián 2008 den Kunstwettbewerb der Landeshauptstadt München „Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk / Hörspiel und Medienkunst verwirklicht.
Memory Loops basiert auf historischen und aktuellen Originaltönen von NS-Opfern und Zeitzeugen: Zeugnisse von Diskriminierung, Verfolgung und Ausgrenzung während des NS-Regimes in München. Die transkribierten Berichte werden von Schauspielerinnen und Schauspielern gesprochen, historische Dokumente von Kindern gelesen, die Aufnahmen in eine originale Musikkomposition eingebettet.
Das Zentrum des Kunstwerks ist die Webseite memoryloops.net, auf der die gesammelten Erinnerungszeugnisse als Tonspuren in einer von der Künstlerin gezeichneten Topographie der Stadt zu finden sind. Die Collagen aus Stimme(n) und Musik verweisen thematisch auf Orte innerhalb der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“. Sie können heruntergeladen werden. Ob auf ein Mobiltelefon oder auf einen MP3-Player überspielt: Alle Interessierten können so ihrer selbst gewählten Erinnerungsschleife durch die Stadt folgen.
Fünf der 300 Tonspuren sind einstündige Erinnerungsschleifen, die sich über den ganzen Stadtraum legen und Themenschwerpunkte haben. Sie sind unter der Rubrik Hörspiel zu finden. Auch in englischer Sprache liegt ein einstündiges Hörspiel vor.
An 61 Standorten in der Münchner Innenstadt sind Hinweistafeln mit URL und Telefonnummer zu Tonspuren angebracht, die auf den jeweiligen Ort Bezug nehmen. Falls also keine Internetverbindung möglich ist, können einzelne Tonspuren auf Deutsch und Englisch jederzeit über eine Telefonverbindung ins Festnetz angehört werden.
Mit Memory Loops hat Michaela Melián den Kunstwettbewerb der Landeshauptstadt München „Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“ gewonnen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk / Hörspiel und Medienkunst realisiert.
„Die Arbeit von Michaela Melián thematisiert in anspruchsvoller künstlerischer Form das Schicksal aller Opfer des Nationalsozialismus. Gleichzeitig werden die Täter nicht aus der Erinnerung ausgeklammert. Unterschiedlichste historische Zusammenhänge werden an Kristallisationspunkten der Stadt München erörtert. Aus Archivmaterialien und Aussagen von Zeitzeugen werden künstlerisch gestaltete Stimmencollagen in höchster Qualität erstellt. Dabei findet sich in Recherche und Realisierung der Audiocollagen eine breite institutionelle Vernetzung, wobei bereits hier die Integration jüngerer Generationen berücksichtigt wird.
Das Kunstwerk ist sowohl dezentral angelegt als auch auf historisch bedeutsame Orte bezogen. Denn mit Hilfe von auf Mobiltelefon oder anderen Tonträgern zu erreichenden Memory Loops (Stimmcollagen) wird eine allgegenwärtige moderne Form des Erinnerns und Gedenkens geschaffen. Mit ihrem Konzept des Dezentralen, Individuellen, Immateriellen und Temporären sowie einem hohen Partizipationsanteil des Publikums eröffnet Melián individuelle Erkenntnis- und Erfahrungsmöglichkeiten, die sich – auf dem Boden von Humanismus und Demokratie – von Deutungshoheiten etwa eines Expertentums abheben. Meliáns Projekt formuliert einen appellativen Aufruf zur Menschlichkeit und Demokratie angesichts der Gräueltaten im Nationalsozialismus – behutsam, aber eindringlich.“
Künstlerin und Musikerin, lebt in München und Hamburg. Sie lehrt als Professorin für zeitbezogene Medien an der Hochschule für bildende Künste (HfbK), Hamburg. Sie ist Mitglied der Band F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle).
2008 gewann Michaela Melián mit ihrem Konzept Memory Loops den von der Landeshauptstadt München initiierten Kunstwettbewerb „Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“.
Home Less Home, Museum on the Seam, Jerusalem (2010); See this Sound, Lentos Museum Linz (2010); Ludlow 38, New York (2009); The Dwelling, ACCA Melbourne, Australien (2009); Speicher , Ulmer Museum (2008); Speicher, Cubitt Gallery, London (2008); Recollecting, MAK Vienna (2008); Vertrautes Terrain , ZKM Karlsruhe (2007); TALK/SHOW, k.m@tranzit dielne, Bratislava (2007); Föhrenwald, KW Kunstwerke Berlin (2006)
„Ihr Werk und ihr Umgang mit sowohl realem als auch metaphorischem Raum ist so sparsam wie umfassend, sicher und ziemlich berührend.“
Roberta Smith, New York Times
„Michaela Melián setzt sich nun schon seit vielen Jahren mit Politiken der Erinnerung auseinander. Ihre Arbeiten geben Vorlagen für eine besondere Form der Annäherung an die Vergangenheit: Melián vereint die geschärfte Sensibilität dekonstruktiver Kritik dem starken Anliegen, bestimmten Menschen Anerkennung dafür zuteil werden zu lassen, dass sie durch ihr Leben und ihre Arbeit einen Unterschied gemacht haben.“ Jan Verwoert,
Frieze Magazine, London
„Michaela Meliáns künstlerische Aneignung von Geschichte erinnert an Benjamins geschichtsphilosophisches Konzept des dialektischen Bildes, bei dem Vergangenes und Gegenwärtiges in eine Konstellation treten, die deren Verhältnis blitzhaft erhellt.“
Petra Löffler, Springerin, Hefte für Gegenwartskunst, Wien
Die Verwendung der Bilder und Motive ist im Rahmen der Berichterstattung über das Projekt Memory Loops honorarfrei.
Bei Veröffentlichungen ist durch Angabe der Quelle und der Verwendung des Copyrights die Herkunft des Bildes eindeutig kenntlich zu machen:
»Copyright: Michaela Melián & Surfacegrafik.de | Memory Loops 2010«
Memory Loops – Michaela Melián im Gespräch mit Chris Dercon, Direktor Haus der Kunst München, 26. September 2010, Rathausgalerie Kunsthalle, München
Zeitgenössische künstlerische Formen der Erinnerung im öffentlichen Raum, Podiumsdiskussion mit Aleida Assmann, Nikolaus Hirsch und Harald Welzer, 30. September 2010, Rathausgalerie Kunsthalle, München
Werbung im öffentlichen Raum
Hinweisschilder im Münchner Stadtraum
Donnerstag, 23. September 2010, 18.00 Uhr
Rathausgalerie Kunsthalle, München Marienplatz 8
Es sprechen:
Michael Leonhart, Stadtrat der Landeshauptstadt München in Vertretung des Oberbürgermeisters
Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München
Dr. Johannes Grotzky, Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks
Bis zum 03. Oktober 2010 wird das Kunstwerk mit verschiedenen Hörstationen in der Rathausgalerie Kunsthalle vorgestellt.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 11:00 – 19:00 Uhr
Sonntag, 26. September 2010, 11.00 Uhr
Rathausgalerie Kunsthalle, München Marienplatz 8
Memory Loops – Michaela Melián im Gespräch mit Chris Dercon, Direktor Haus der Kunst München
Donnerstag, 30. September 2010, 19.00 Uhr
Rathausgalerie Kunsthalle, München Marienplatz 8
Podiumsdiskussion Gedenk.Kunst – Zeitgenössische künstlerische Formen der Erinnerung im öffentlichen Raum
Begrüßung durch Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München
Gäste
Prof. Dr. Aleida Assmann, Universität Konstanz, Fachbereich Literaturwissenschaft/Anglistik
Prof. Nikolaus Hirsch, design. Rektor Städelschule, Frankfurt am Main
Prof. Dr. Harald Welzer, Leitung Forschungsgruppe Erinnerung und Gedächtnis am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen
Moderation
Julian Doepp, BR Hörspiel und Medienkunst
24. September 2010, 20.30 Uhr
Neue Formen des Gedenkens – das Kunstprojekt Memory Loops
Michaela Melián im Gespräch mit Ania Mauruschat im hör!spiel!art.mix, Bayern 2
Sendung der fünf einstündigen Erinnerungsschleifen
Sonntags, vom 26. September bis 24. Oktober 2010, um 15.00 Uhr
Montags, vom 27. September bis 25. Oktober 2010, um 20.30 Uhr
Ausstrahlung des Mitschnitts der Podiumsdiskussion
1. Oktober 2010, 20.30 Uhr im hör!spiel!art.mix, Bayern 2